Rettungsschwimmer

Na denn. Ich war sehr überrascht, wie viel Stress mir eine simulierte Rettung macht. Weil ich die Stress and Rescue Ausbildung mach und da waren wir heute im Meer. Am Anfang hat der Marcus ein bisschen Panik unter Wasser simuliert, das ging ja noch. Da weiß man zirka was zu tun ist, da beruhigt man und stellt Kontakt her. Ich mein, nicht, dass da nicht auch was blödes passieren kann, wenn ich zum Beispiel meine Luft hergebe, wenn sie ihm ausgeht, aber nicht daran denke, dass ich selber jetzt keine Luft hab. Da kann man sagen: der große Fehler ist eigentlich gewesen, dass ich meine Luft angehalten hab, weil das macht man gar nicht, damit man sich nicht druckbedingt die Lunge beschädigt. Aber natürlich merkt man eher, dass man plötzlich keine Luft hat. Das ist so ein Ding irgendwie, da muss ich mich noch dran gewöhnen, dass es nicht nur möglich ist, unter Wasser zu atmen sondern ein Muss und dass es mir sofort seltsam aufstoßen muss, wenn ich nicht atme unter Wasser.

Wirklich Stress ist dann allerdings, wenn ich die Joanna hab suchen müssen, unter Wasser und sie hochholen und zum Boot bringen und auf s Boot bringen und Herzmassage und beatmen und dann heißt s irgendwann von hinten, passt schon, Patientin atmet. Jetzt also Sauerstoffmaske drauf und stabile Seitenlage und dann erst einmal entspannen. Das hat keine Fünf Minuten gedauert alles, aber ich war danach eine halbe Stunde mindestens mit Adrenalin geschwemmt… Jetzt noch, das war vor drei, vier Stunden, jetzt noch bin ich ein bisschen zittrig. Vielleicht mag man sich das überlegen, einen Erste Hilfekurs zu belegen statt in der Hochschaubahn zu sitzen. Natürlich einen mit Praxisteil. Und jetzt hatte ich s quasi eh einfacher, weil ich bin davor von der Joanna gerettet worden und da hab ich ja nur liegen müssen und das über mich ergehen lassen, dass ich der simulierten Notsituation halber etwas grob auf s Deck gehievt worden bin. Da konnte ich ja quasi zuschauen, was es alles zu tun gibt, was sie vergisst, wo ich mir vornehme, was anders, was besser zu machen. Aber dann erstaunlich stressig eben.

Und gestern bin ich mit der Zehe an so einem Betonboller hängengeblieben, die hier einen Gehsteig improvisieren. Oder einen Fahrradweg. Oder einen Kanal. (Es regnet doch täglich und dann schifft s ganz schön runter.) Da bin ich einfach nicht mit genug Abstand dran vorbei und peng, autsch. Und ich hab s wirklich erst ein paar Stunden später gemerkt, dass das doch etwas heftiger gewesen sein muss. Weil ich bin kurz davor mit dem linken Fuss und der dortigen Kleinen Zehe an einer Hausmauer hängengeblieben, als ich um die Ecke geschlurft bin. Und jetzt erlebe ich sozusagen noch die dunkle Seite von Flip-Flops. Weil natürlich ist da nichts, was bremst, was hält, was absorbiert. Aber links war nix. Rechts hingegen eben zwei Stunden später, sitz ich im Restaurant und lass den Regen passieren und beim Rausgehen merke ich, ich humpel lieber ein bisschen. Daheim hab ich erst einmal ein Wasser in die Eiswürfelbox gemacht. Weil ich wohne ja luxuriös mit Kühlschrank und Gefrierfach im Kühlschrank. Und dann hab ich in der Nacht quasi den Eiswürfelbeutel auf dem Zeh gehabt. Auch wenn das Problem natürlich ist, dass es mehr die Innenseite des Zehs ist, die ich mir da vermutlich verstaucht hab.

Für die simulierte Stresssituation und den dadurch ausgelösten Stress hab ich mir die Kleine Zehe dann an die… nun, an die daneben geklebt. Nicht, dass ich Schmerzen gespürt hätte, wenn ich sie gehabt hab, ganz ehrlich. Aber das war schon gut, weil ich hab heute in der Früh bisschen simuliert, wie ich in die Flossen steige und da ist mir ein bisschen der Phantasieschmerz durch die Gehirnwindungen gezuckt, so schmerzhaft hab ich mir das vorgestellt. Und das war sicher besser durch die Pseudoschiene, die der zweite Zeh von außen meiner Kleinen Zehe geboten hat.

Egal. Ich komm nachhause, nachdem ich ein bisschen im Restaurant gesessen bin, um den Regen passieren zu lassen, und hab mir gerade eine Folge Paulchen Panther angedreht, derweil ich mir wieder Eis auf den blauen Zeh lege. Es gibt nämlich ausführlich deutsche Folgen Paulchen Panther im Internetfernsehen. Und Paulchen Panther ist ja sowas, wo man sagen muss: es hat sich total ausgezahlt, dass man im deutschsprachigen Raum damit angefangen hat, zu synchronisieren. Weil stell dir vor, im englischen Original gibt s keinen Sprecher, der in schönen Gedichten die Handlung begleitet. Da ist einfach nur Musik drüber. Wer will denn sowas!?*

Man muss nur aufpassen, dass man nicht unabsichtlich eine der „neuen“ Folgen erwischt.

Jedenfalls bin ich da an der obrigen Titelsequenz hängengeblieben. Zunächst, weil der Text meinen Augen vorgegaukelt hat, dass Harry Potter in der Produktion seine Hände mit im Spiel gehabt habe. Aber dann hab ich erste entdeckt, welche Rolle der Harry in der Produktion übernommen hatte: er hat dort den Coördinator gemacht. Und das ist ja technisch gesehen, gar nicht falsch geschrieben. Aber diese Schreibweise in einem Artikel oder anderen öffentlichen Text zu verwenden, das wäre schon eine größere Pflicht. Also eine Pflicht-oder-Wahrheit-Pflicht.

Jetzt hab ich noch ein bisschen darüber nachgedacht, wie super Paulchen Panther nicht nur als Sendung ist, wegen der genialen Verse auf der einen Seite, aber dann auch was für ein großartiger Protagonist das Paulchen ist. Weil er ist ja moralisch oft ein bisschen ambivalent ist, manchmal gierig, manchmal jähzornig, nicht einmal immer sympathisch, meistens aber so-oder-so liebenswert. Und er wohl von Sketch zu Sketch ein bisschen unterschiedlich daher. Vielleicht will das jemand einfach „inkonsistent“ nennen und möchte dann eventuell argumentieren, dass mehr seine Einzigartigkeit als rosaroter Panther seine Person zusammenhielte, als tatsächliche Charaktereigenschaften. Aber das wäre eine Person, mit der man nicht unbedingt seine Zeit verbringen möchte, geschweige denn Kirschen essen. Aus dem Wasser holen würde ich sie aber jetzt dennoch können.

*) Niemand.

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